nnj kkkkkkkkkkkkkkkkkk
 
Burkhard Tech von der Monkey Garage in Duisburg ist an allem Schuld, oder besser gesagt sein Bericht in den Bonsai News (Ausgabe 01/2005). Wenn er und seine Mannen damals bei Ihrem 24h Quickfoot Masterpiece Test mehr als 666 Km geschafft hätten, dann wären wir niemals auf die blöde Idee gekommen diesen im Raum stehenden „Rekord“ in Frage zu stellen. 666 Km in 24h mit 128cm³ ….pah was ist das schon, dass muss doch mit 50 cm³ locker zu schaffen sein….oder? Aber vielleicht waren auch die vielen Motorpannen der letzten beiden Hannibal Veranstaltungen daran schuld. Das Vertrauen in die Standfestigkeit unseres SS 50 Motors war stark angeknackst und schon lange wollten wir austesten wie viel Kilometer am Stück mit einem Motor realisierbar sind.
     

Da kam dem Brainless-Racing-Team die hirnlose Idee einen eigenen 24h Dauerlauf zu organisieren ganz gelegen. Kaum über den Event laut nachgedacht und schon flammte in unserem Freundeskreis der friedlich schlummernde Krieg zwischen den Zwei- und Viertaktern wieder auf. Es war sofort klar, dass dies kein normaler Dauerlauf werden wird, ein Rennen musste her. Erneut musste ausgetestet werden ob das ventilgesteuerte Viertaktkonzept oder das schlitzgesteuerte Zweitaktprinzip das „Robustere“ ist. Die „Battle of Systems“ war geboren.

Aus Mangel an Sponsoren wurde die Grundidee, in Stuttgart auf die Autobahn und dann ab gen Süden zu fahren, schnell verworfen.

 

 

   
 
Das ursprüngliches Ziel, nach 1700 Km in Valencia / Spanien von der Autobahn zu fahren um das letzte Moto GP Rennen Ende Oktober live mitzuerleben, rückte in unnahbare Ferne. Das Jahr neigte sich immerhin dem Ende zu und die Nächte waren schon empfindlich kalt. Der Trip in den warmen Süden hatte also irgendwie schon so seine verlockenden Reize. Es half alles nichts, eine passende Alternative musste her und die war schnell gefunden. Der Sonnenkönig Louis XIV und seine „Laissez-faire“ Einstellung, welche er seinen Nachfahren vererbt hat, lies unsere Blicke auf der Suche nach einer geeigneten Strecke zum Nachbarn schweifen. Genau diese lockere Einstellung der Franzosen, was Mopeds und verrückte Ideen betrifft, sowie die großen und schnell zu durchfahrenden Kreisverkehre waren für unser Vorhaben wie geschaffen.

     

Im Elsaß wurden wir fündig, zwei Kreisverkehre dazwischen eine 11 Km lange mautfreie Autobahnetappe, eine Tankstelle, ein Supermarkt und der Austragungsort für unser Rennen war perfekt. Welches Team schafft mehr Runden und ist es möglich mit einem 50 cm³ Motor 1700 Km in 24h abzuspulen - das galt es rauszufinden.

Am Start das Säuliamt Motorsport Team aus der Schweiz auf Ihrer Kreidler Florett mit Walter und Karl. Mit einer Zündapp KS 25 ging das Thikra Racing Team mit Thilo, Horn und Jens ins Rennen. Das Brainless Racing Team setzte auf Ihre altbewährte und natürlich weiter perfektionierte 67-iger Honda SS 50.

 
     
 
Unsere Ziele waren wie immer hoch gesteckt:

Ziel 1: Die Anderen verblasen
Ziel 2: Die 1700 Km in 24h knacken
Ziel 3: Die 100 Km/h Topspeed-Schallmauer mit 50 cm³ in der Ebene zu durchbrechen
Ziel 4: Hauptsache die Anderen verblasen.


     

29.09.07 - Tag der Entscheidung.

In den letzten Tagen liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren und die über Sieg oder Niederlage alles entscheidende Strategien wurden besprochen. Die Mitstreiter reisen just in Time an. Thilo und seine Mannen schrauben hektisch an der Zündapp die mit morgendlichen Startschwierigkeiten noch zu kämpfen hat. Kein Ton kommt währenddessen aus der Schweizer Ecke, nur ein verschmitztes Lächeln ist zu erkennen.

 
     
 
9:00 Uhr: Mit einem klassischen „Le Mans Start“ fällt der Startschuß zum 24h Battle of Systems. Jetzt heißt es 2 Stunden hinter der Verkleidung auf dem Tank flach liegen und möglichst materialschonend das Maximum aus 50 cm³ herausholen. Das hört sich leichter an als getan. Dank Thilo’s bewährter Zündungstechnologie dreht der kleine Viertakter mehr als willig in die höchsten Drehzahlbereiche jenseits von gut und böse. Wie wir bei der letzten Hannibal Challenge schmerzlich erfahren mussten, reicht schon ein „Verschalter“ aus um das Motörchen zu überdrehen und die Ventile ins Jenseits zu befördern. Also die Gashand immer schön im Zaum halten und wohlüberlegt schalten, denn 24h können ganz schön lang sein.
     

Es stellt sich sehr schnell heraus, dass aufgrund unseres geringen Tankvolumens unsere 4h-Tank-Stopp-Strategie nicht aufgeht und aus diesem Grund entscheiden wir uns die Fahrzeiten zu verkürzen und bei jedem Fahrerwechsel den Tank zu füllen. 11 Km können ganz schön weit sein, wenn man die zu Fuß zurücklegen muß. Spätestens nach dem zweiten Wechsel sind wir jedoch recht dankbar für die kürzere Fahrzeit, man ist halt keine 18 mehr und der aerodynamische Fahrstil macht sich bereits in den alten Knochen bedenklich bemerkbar.

Schon auf meiner zweiten Runde knacke ich locker die 100 Km/h Topspeed Grenze. Endlich ist es uns gelungen diesen Mythos mit 50 cm³ zu bezwingen. Was wäre da bei 128 cm³ wohl drinn?

 
     
 
Stolz wie Oskar komme ich ein paar Runden später zum Fahrerwechsel in Erwartung einer Champagnerdusche und einer innigen brüderlichen Umarmung. Als ich meinem Bruder aufgeregt von diesem freudigen Ereignis berichte, habe ich es nur unserem Verwandtschaftsgrad zu verdanken, dass er mich nicht auf der Stelle tötet und vierteilt. Ich werde wild gestikulierend und laut fluchend darüber aufgeklärt, dass der Motor erst 200 Km runter hat und wir ausgemacht hatten vorerst kein Vollgas zu fahren. Ups da hätte ich mal lieber im Vorfeld besser zugehört. Aber ich bin wie immer unschuldig, denn die SS läuft schon bei dreiviertel geöffnetem Gasschieber locker über 100. Aber wer will das jetzt noch hören?
     

Das Rennfieber hat uns nun alle gepackt und bereits nach einer Stunde ist nicht mehr nachvollziehbar welches Team vorne liegt. Jeder ist mit dem reibungslosen Ablauf in seinem Team beschäftigt. Benzin abfüllen, relaxen, Nahrungsaufnahme, schlafen. Ja 1,5h „Freizeit“ wollen sinnvoll genutzt sein.

17:33 Uhr die 666 Km der Monkey-Garage sind geknackt, nach exakt 8 Std. 33 Min. Sorry Jungs! Es stellt sich uns nun natürlich die Frage was Ihr bei Eurem Dauerlauf die restlichen 15 Std. und 27 Min. gemacht habt? Mit einem Hubraumplus von 78 cm³ unterm Hintern sollte doch wohl deutlich mehr drin sein als nur 666 Km. Oder? Unsere Zuversicht jedenfalls steigt das wir die 1700 Km packen können, wenn da nur nicht die lange und kalte Nacht noch einem bevorstehen würde.

 
     
 
Beim Thikra Racing Team zeichnen sich erste Motorprobleme ab. Walter musste bereits mit seinem Yamaha SRX – Erste – Hilfe - Moped ausrücken um den auf halber Strecke liegengebliebenen Thilo abzuschleppen. Das hält die Jungs aber nicht davon ab sich tapfer jeder neuen Herausforderung zu stellen. Jedoch haben wir uns schon bereits zu Anfang gefragt wie Thilo die Nacht ohne Licht am Moped überstehen will, in der Hektik hat er Zuhause ins falsche Regal gegriffen und nur die Rennzündung eingepackt. Na ja irgendeinen Trumpf hat er meistens noch in der Trickkiste und von solchen Kleinigkeiten lässt sich Thilo normalerweise nicht unterbuttern.
     

Jedoch kommt bald der Verdacht auf das er vielleicht absichtlich ins falsche Regal gegriffen hat. Bereits um 21:00 Uhr liegt Thilo und seine starken Mannen schon in der Falle und geben sich Ihren süßen Träumen hin. Na ja jeder hat so seine eigene Rennstrategie…

Währenddessen die einen sich Ihren feuchten Träumen hingeben, spulen still und heimlich im Hintergrund unsere Züricher Freunde wie ein Schweizer Präzisionsuhrwerk Ihre Runden ab. Walter und sein Bruder Karl sind immer für eine Überraschung gut, und die unscheinbar wirkende Kreidler sollte man nicht unterschätzen.

 
     
 
Auch wir spulen einsam Runde für Runde ab. Der kleine Viertakter schnurrt zuverlässig vor sich hin ohne jegliche störenden und beängstigenden Motorgeräusche. Okay ich denke der offene Luftfilter und die minder gedämpfte Akrapovic Auspuffanlage tragen sicherlich ihren Teil dazu bei, dass man vor lauter Ansauggeräuschen und brüllendem Auspufflärm keine Geräusche im Umkreis von 5 Km mehr wahrnehmen kann. Angenehm beruhigend und natürlich auch vorteilhaft, da man für die bevorstehenden Fahrerwechsel keine Uhr benötigt. Die Wechsel kündigen sich schon ne halbe Stunde vorher lautstark an und die Zeit reicht dann noch locker aus, sich gemütlich nen Kaffee aufzubrühen und beim Bäcker nen Croissant zu holen, bevor es wieder auf die Strecke geht.
     
Es wird Nacht und es wird verdammt kalt. Warme Klamotten haben wir ausreichend dabei, nach jedem Wechsel zieht man sich einfach einen Pulli mehr an und schon wieder ist es einem mollig warm. Spätestens jedoch nach dem zweiten Wechsel ist es mir aufgrund der vielen Pullis und dicken Jacken nicht mehr möglich mich zu bücken geschweige denn hinter der Verkleidung zu ducken. Das fällt mir aber erst auf als es natürlich zu spät ist und ich eine Runde wie ein Michelin Männchen aufrecht sitzend mit 60 Sachen wild fluchend durch die sternenklare Nacht fahre. Ein außerplanmäßiger Stopp später und in enganliegendes Leder gehüllt sind zähneklappernd endlich wieder angenehme Reisegeschwindigkeiten möglich.
 
     
 
5:31 Uhr die Stunde des Schreckens. Walters Prophezeiung, das morgens um 6 Uhr das Rennen entschieden wird, scheint einzutreffen. Beim Lastwechsel lässt die kleine SS laute Schläge von sich. Hört sich an wie wenn sich irgendwelche Radaufhängungen gelöst hätten und das Hinterrad lautstark gegen die Schwinge knallt. Der Viertakter klingt wie kurz vor seinem Exitus. Hektik macht sich breit und im Taschenlampenlicht wird akribisch nach der Ursache gesucht. Das nervös hin und herhüpfende Taschenlampelicht trägt nicht gerade beruhigend zur Situation bei. Obwohl es Walter sicherlich nur gut gemeint hat mit uns, als er mit seiner Taschenlampe zusätzlich Licht spenden will. Leider schafft er es nicht die Lampe ruhig zu halten, da sein ausgekühlter Körper wie Espenlaub zittert.
     
Nachdem wir Walter warme Wadenwickel verpasst haben und anschließend den Kettenkasten entfernten, war der Übeltäter schnell gefunden. Wer hätte gedacht das man nach 1400 Km die Kette vielleicht doch mal spannen und fetten hätte sollen. Früher war alles besser, da haben die Ketten noch gehalten was sie versprochen haben. Aber mann lernt ja bekanntlich nie aus. Ohne Kettenkasten und ohne Fett (zuhause vergessen) dafür aber mit einer straff gespannten Kette, geht es auf die letzten alles entscheidenden Kilometer.
 
     
 
9:00 Uhr nach 1779,4 Km und 24h später fällt die Zielflagge für uns und die hochgesteckten Ziele sind müde aber glücklich erreicht:

Ziel 1: Wir haben die Anderen verblasen
Ziel 2: Die 1700 Km sind geknackt
Ziel 3: Die Topspeed-Schallmauer wurde durchbrochen
Ziel 4: Ja ja wir haben Sie verblasen, aber es war verdammt knapp. 76 Kilometer sind nicht gerade viel Vorsprung und aus diesem Grund haben die Jungs eine erneute Chance verdient.

     
Wir sehen uns 2009 wieder bei der
     
BATTLE OF SYSTEMS
33
- DIE REVANCHE -
     
Euer    
Brainless Racing Team  
     
     
     
Fragen?: tschabba@brainless-racing-team.de    
     
Weitere Bilder von der Battle of Systems findet Ihr hier    
     
     
   

BATTLE OF SYSTEMS
2007